Auspacken Teil 1

Auspacken Teil 1 – Serie in der Zauberzeitschrift „Magische Welt“

Aus dem Heft Nr. 1 – Jahrgang 66, 2017

Nach der Lektüre zweier alter Zauberkataloge, dem Katalog Nr. 8 der Firma „Thayer Magic Company“ aus dem Jahr 1936 und dem Katalog Nr. 21 der Firma „Abbott’s Magic MFG. Co. aus dem Jahr 1976 kam der Wunsch in mir auf, einmal nach Produktionsapparaten in der Zauberkunst zu recherchieren. Floyd Thayer (18. Juli 1877 – 29. Juli 1959) war DER Zauberhändler in den 1920er und 1930er Jahren in den USA. Weitere Recherchen ergaben dann, dass ein gewisser Glenn Gilmore Gravatt (4. Dezember 1899 – 17. April 1984) zwischen 1978 und 1981 vier Bücher über „Thayer Quality Magic“ geschrieben hatte. „Quality Magic“ war auch der Wahlspruch des Unternehmens. In diesen Büchern wurden nicht nur die Werbetexte der Kataloge abgebildet, vielmehr konnte man dort auch nachlesen, wie alles funktioniert hat. Eine wahre Fundgrube für wissenshungrige Zauberkünstler.

Zauberapparate in der Literatur

Bei der Recherche zu diesem Thema habe ich mich vorrangig auf die anglo-amerikanische Literatur konzentriert, da diese weitaus ergiebiger ist, als die deutschsprachige. Hier findet man dann auch eine Vielzahl von Büchern in denen Zauberapparate beschrieben werden. Die Bücher von Professor Lewis Hoffmann (23. Juli 1839 – 23. Dezember 1919) – Modern Magic (1876), More Magic (1890), Later Magic (1903, erweiterte Version 1911) und Latest Magic (1918) sind eine wahre Schatztruhe mit Informationen über Zauberapparate. Auch im „Tarbell Course in Magic“ mit seinen 8 Bänden findet man in einzelnen Kapiteln einige Apparate. In den „Looked Books“ von Will Goldston (23. September 1878 – 24. Februar 1948), „Exclusive Magical Secrets“ aus dem Jahr 1912, „More Exclusive Magical Secrets“ aus dem Jahr 1921 und „Further Exclusive Magical Secrets“ aus dem Jahr 1927 werden viele Illusion erklärt, die es zur damaligen Zeit gab. So auch der „Wachsende Würfel“ von Buatier de Kolta – die „Expanding Cube Illusion“. Diese Bücher haben heute einen hohen Sammlerwert, wurden die ersten Bände doch mit einem Vorhängeschloss und einem Schlüssel ausgeliefert. Ein Sammler durch und durch war der Arzt Robert Albo (8. Mai 1932 – 21. Februar 2011). Ihm ist im Juli Heft der Genii von 1988, Ausgabe 52 ein ganzer Artikel gewidmet. Seine großformatigen Bücher über Zauberapparate, die Bambergs, Okito und „Magic in Germany“ werden heute zu Höchstpreisen gehandelt. Eric Charles Lewis (23. November 1908 – 6. Juni 1993) illustrierte seine Bücher und die von Robert Albo. Seine bekanntesten Werke waren die drei Bücher: „A Choice of Miracles“, 1980 erschienen, „A Continuation of Miracles“, 1981 erschienen und „The Crowning Miracles“, 1983 erschienen. Auch er beschreibt in diesen Büchern eine Vielzahl an Zauberapparaten und Illusionen.

In meiner Literaturübersicht dürfen auch die 4 Bände von „Rice’s Encyclopedia of Silk Magic“ nicht fehlen. Wer sich im Speziellen für Produktionsgeräte von Seidentüchern interessiert, für den sind die vier Bände von Harold R. Rice (22. Mai 1912 – 10. Juli 1987) ein absolutes Muss. Die vier Bände wurden auch ins Deutsche übersetzt. Zum Schluss darf ich noch auf zwei Bücher von Bart Whaley (26. Mai 1928 – 3. August 2013) hinweisen, die bei der Recherche unerlässlich sind. „Encyclopedic Dictionary of Magic“ und „Who’s Who in Magic“. Bei der Suche nach den Ursprüngen und Erfindern von Kunststücken bekommt man hier sehr wertvolle Informationen an die Hand, viele Einträge laden zu weiteren Recherchen in Büchern und Katalogen ein. Mir ist natürlich bewusst, dass es Leser gibt, die der englischen Sprache nicht mächtig sind. Ihnen darf ich den Nachdruck „Handbuch der klassischen Zauberkunst“ von Lukas Moritz ans Herz legen. Im Original handelt es sich um das Buch „Die Moderne Salon-Magie“ von Carl Willmann. Hier findet der Leser auf vielen Seiten eine große Anzahl von Zauberapparaten beschrieben. Und nun hoffe ich sehr, dass Ihnen meine Artikelfolge zu den Produktionsapparaten in der Zauberkunst gefallen wird.

Beginnen möchte ich mit dem Kunststück

Sea-Ling’s Butterfly Boxes von Richard Gerlitz

Hier handelt es sich um ein Kunststück zum Thema „Nest of Boxes“, aber in was für einer Ausführung und Qualität. Der Handwerker Richard Gerlitz aus den USA hat sich hier selbst übertroffen. Zum ersten Mal machte er um 2001 von sich reden. Er produziert und kreiert unglaublich detaillierte mechanische Wunder und scheut auch keine Kosten oder Zeit um das perfekte Wunder zu erschaffen. Zudem soll er ein fabelhafter Geschichtenerzähler sein. Dem hier gezeigten Zauberkunststück sieht man an, dass sie von einem professionellen Handwerker geschaffen wurde. Diese „Schmetterlings-Boxen“ sind wirklich atemberaubend. Wer in seinem Zaubererleben schon so einige Zauberapparate gesehen und in Händen gehalten hat, ist heutzutage nur schwerlich zu begeistern. Die Technik hinter dem Geheimnis fesselt einen und das Kunststück wird jeden täuschen! Auch der Preis scheint gerechtfertigt zu sein. Mit ca. 3250.- USD nicht gerade preiswert aber sicherlich ist es das wert. Produzierte Menge als Sammlerstück: Nur 20 Stück. Der Zauberkünstler lässt einen Gegenstand verschwinden. Dann zeigt er eine alte antike Seekiste vor aus der er eine wunderschöne orientalische Kiste hervorholt. In dieser Box befindet sich eine weitere, kleinere Kiste aus der erneut eine noch kleinere Box hervorgeholt wird. Auch diese wird geöffnet und ein kleiner Kasten kommt zum Vorschein. Der verschwundene Gegenstand befindet sich in diesem kleinen Kasten.

Das Prinzip der Nest of Boxes“ wurde erstmals 1740 von Edme-Gilles Guyot beschrieben.

Quellen für diesen Artikel: Bart Whaley: Encyclopedic Dictionary of Magic, Harold Rice: Encyclopedia of Silk Magic, Glenn Gravatt: Thayer Quality Magic in 4 Bänden, Die Website – Conjuringcredits.com, Die Website – Zauberpedia.de

Die Magische Welt

Mit abwechslungsreichen Artikeln, auch zur Zauberhistorie, ist die Zauberzeitschrift „Magische Welt“ von Wittus Witt eine gute Quelle um sein Zauberwissen zu erweitern!

Ein Besuch lohnt sich

Die Website von Andy Martin kann ich jedem Zauberapparate-Freund nur wärmstens empfehlen. Auf Martinsmagic.com finden Sie viele schöne und moderne Zauberapparate!