Auspacken 2

Auspacken Teil 2 – Serie in der Zauberzeitschrift „Magische Welt“

Aus dem Heft Nr. 2 – Jahrgang 66, 2017

Ich hoffe, Ihnen hat der erste Teil meiner kleinen Zauberapparate-Serie gefallen, auch wenn ich hauptsächlich die Quellen aufgeführt habe, aus denen ich die nachfolgenden Informationen „herausgefischt“ habe. Heute möchte ich Ihnen etwas ganz besonderes präsentieren – 4 sehr schöne Zauberapparate im Okito-Stil, produziert von Norm Nielsen. Vorweg darf ich noch anmerken, dass mich früher die Berichte über diesen Ausnahmekünstler sehr fasziniert haben. Das Auftreten von Okito ( Theo Bamberg, 15. Juli 1875 – 28. Juni 1963) war immer so geheimnisvoll , so orientalisch. Nicht selbst erlebt konnte ich mich aber z. B. auf die Schilderungen von Fred Maldino (9. September 1911 – 7. Mai 2003) verlassen, der viele Künstler der damaligen Zeit hautnah miterlebt und den Ablauf deren Vorstellungen schriftlich festgehalten hat. Über Fred Maldino finden Sie u.a. in der MAGIE (Heft 6 aus 2003) einen Bericht und in einem weiteren Heft der MAGIE (Heft 9 aus 1980) schildert er uns die „Mysterien des Orients“.

Im Jahr 1962 trat Norm Nielsen auf einer IBM- (International Brotherhood of Magicians) Veranstaltung in Chicago auf. Dort traf er zum ersten Mal Theo Bamberg, Okito. Sie wurden Freunde. Norm kaufte das Handwerkszeug von Theo Bamberg, was er bis heute benutzt. Damit, angeregt durch Okito, baute er Kunststücke im Okito-Stil und Theo Bamberg brachte ihm alles bei, auch die richtige Handhabung der orientalischen Abziehbilder, die man für das Dekorieren der Apparate brauchte. Die Firma „Nielsen Magic“, ansässig in Las Vegas, Nevada – USA, wurde 1956 von Norm Nielsen (17. Februar 1934 – ) gegründet. Bekannt wurde Norm Nielsen durch die „Wandernden Flaschen“, „Latex Tauben“, „Manipulations-Spielkarten“ sowie seine „Schwebende Geige“. Von der Academy of Magical Arts wurde er 1977 zum Magier des Jahres gewählt. Er reiste durch die ganze Welt, auf der Suche nach magischen Lithografien. Dadurch wurde er zu einem der größten Händler magischer Plakate, weltweit. Nachfolgend möchte ich Ihnen im Einzelnen die Okito Change Box, Flip Over Box, Jap Box und Breakaway Box vorstellen. Von diesen Apparaten wurden nur kleine Auflagen gefertigt, man könnte sie heute als Sammlerstücke bezeichnen. Die Preise für diese Apparate bewegen sich bei einigen hundert US-Dollar. Die Art der Vorführung der einzelnen Kunststücke können Sie sich auch im Internet auf Youtube anschauen.

Okito – Breakaway Box

Eine Box mit mehreren Klappen wird leer gezeigt, sogar der Arm wird durchgesteckt um zu signalisieren, dass sich nichts darin befindet. Dann werden nach einer magischen Bewegung viele Tücher daraus produziert. Diese Box nennt man auch „Break-Apart Box“. Eine Abwandlung, die „Clatter Box“ wurde von Jack Hughes erfunden. Laut Norm Nielsens Internetseite sind hier nur 30 Stück produziert worden. Zur Technik sei nur so viel anzumerken, dass sich die Vorrichtung für die Ladung in der Box befindet. Durch geschicktes Vorzeigen muss der Eindruck entstehen, dass die Box leer ist.

Okito – Change Box

Eine magische Box steht auf dem Tisch. In diese Box können Gegenstände hineingegeben werden, die sich dann in andere Objekte verwandeln. Dieses Gerät wurde 1978 in der Zeitschrift „Theatrical Magic“ von Gene Gloye auf Seite 117-118 beschrieben. Hiervon sind nur 10 Stücke gebaut worden. Die Abmessungen der Box sind 25 x 25 x 25 cm.

Okito – Flip Over Box

Eine dekorative Schatulle wird vorgezeigt. Der Künstler öffnet den oberen Deckel und platziert in der Box einige Gegenstände oder Tauben. Nach einer magischen Bewegung fallen Deckel und Boden nach unten – der Inhalt der Schatulle ist spurlos verschwunden. Die „Flip Over Box“, manchmal auch „Turn Over Box“ genannt, wurde 1928 von dem amerikanischen Zauberkünstler Jack Gwynne erfunden. Zum ersten Mal vermarktet wurde das Kunststück 1933 in den USA von Floyd Thayer und 1935 in der März Ausgabe (Volume 34) der Zauberzeitschrift Sphinx unter dem Titel „The Turnover Vanish“ publiziert. Interessant ist, dass in Bart Whaleys „Encyclopedic Dictionary of Magic“ vermerkt ist, dass dieses Kunststück 1939 von U.F. Grant und Percy Abbott (Amerikanischer Zauberhändler) ungefragt kopiert und unter dem Namen „Jack Gwynne’s Turn Over Vanish“ verkauft wurde. Die Flip Over Box ist ein klassisches Zauberrequisit. Norm Nielsen baute 1960 nur zwei Stück davon, danach nochmals 24 Stück. Die Abmessungen der Schatulle betragen 35 x 25 x 12,5 cm.

Okito – Jap Box

Der Vorführende zeigt eine Box leer vor. Die Box hat keinen Deckel aber einen abnehmbaren Boden mit einem Loch darin. Er zeigt alle Teile einzeln vor. Dann produziert er eine Menge Seidentücher aus der Box. Aufgrund der Funktionsweise der Box können Gegenstände auch wandern oder sich in etwas anderes verwandeln. Die „Jap Box“ ist ein sehr altes Zaubergerät und wurde erstmals 1913 so genannt. Man nannte sie um 1876 „Die unerschöpfliche japanische Box“. Die Abmessungen betragen ca. 21,50 x 14 x 15 cm. Bei der Beschreibung für dieses Trickgerät muss man, laut den Quellen, auf die korrekte Bezeichnung achten. Bis heute ist nicht geklärt, wer diesen Apparat eigentlich erfunden hat. Zumindest habe ich dazu keinen Eintrag gefunden. Laut Bart Whaleys „Encyclopedic Dictionary of Magic“ wird dieses Gerät auch „Japanese Box“ oder „Silk Production Box“ genannt. Der Händler W.D. LeRoy bezeichnete den Apparat als „Mysterious Box“ und bei der Firma Martinka nannte man ihn „The New Box of Mystery“. Der Name „Jap Box“ wird auch in der März Ausgabe der Zauberzeitschrift Sphinx von 1902 auf Seite 8 benutzt, eine Beschreibung gab es nicht. Donald Bevan und Eddie Dawes, ein Zauberkunsthistoriker, glaubten, dass diese Schatulle erstmals in Deutschland aus Metall gefertigt wurde. Bei diesem Zauberapparat haben es die Seitenteile „in sich“.

 

Quellen für diesen Artikel: Bart Whaley: Encyclopedic Dictionary of Magic, Harold Rice: Encyclopedia of Silk Magic, Glenn Gravatt: Thayer Quality Magic in 4 Bänden, Die Website – Conjuringcredits.com, Die Website – Zauberpedia.de