Auspacken 4

Auspacken Teil 4 – Serie in der Zauberzeitschrift „Magische Welt“

Aus dem Heft Nr. 4 – Jahrgang 66, 2017

Zum Abschluss meiner kleinen Serie über Produktionsgeräte in der Zauberkunst möchte ich Ihnen weitere Apparate in Kurzform beschreiben. Zur Recherche dieses Themas darf ich nochmals Bart Whaleys Buch „Who is Who in Magic“ bemühen. In diesem Buch findet man nicht nur die Namen von Zauberkünstlern, in einem separaten Kapitel sind auch unzählige Zauberhändler und Zaubermagazine aufgeführt.

Die Taubenkasserolle

Foto: Georg Walter

Bei uns meist als „Taubenkasserolle“ bekannt, werden mit den Kunststücken „Duck Pan“, „Dove Pan“ und „Chicken Pan“ in den Händlerkatalogen Apparate beschrieben, mit denen man früher kleine Tiere produziert hat. Zu diesem Zweck wurde z. B. Pyrowatte in die „Pfanne“ gelegt, entzündet und der Deckel darüber gestülpt. Nach dem Abheben des Deckels war ein kleines Tier erschienen. Bei einer weiteren Variante, speziell bei Kindervorstellungen, wurde ein Kuchen gebacken wobei vorher alle Zutaten in die „Pfanne“ gegeben wurden. Das Geheimnis lag natürlich im Deckel wobei es nicht nur Ausführungen mit einer einfachen Ladung gab, sondern auch eine Ausführung mit einer doppelten Ladung. Die Erfindung dieser Art von Kunststücken wird dem belgischen Zauberkünstler Servais Le Roy (4. Mai 1865 – 2. Juni 1953) um 1900-1905 zugeschrieben. Le Roy verkaufte den Apparat an Carl Rosini (14. April 1885 – 23. Februar 1969), der ihn ab 1914 in den USA anbot.

Der Eierbeutel

Eierbeutel gibt es viele, so den „Albini Egg Bag“ oder den „Malini Egg Bag“. Erfunden hat ihn im Jahr 1891 der in Polen geborene britische Bühnenzauberkünstler Herbert A. Albini (23. Oktober 1859 – 28. Mai 1913), mit bürgerlichem Namen Abraham „Herb“ Laski. Eine Beschreibung des Eierbeutels findet man u. a. im Tarbell Course Nr. 2 auf Seite 277 und in Nr. 5 auf Seite 111. Eine Variante ist der „Chinese Egg Bag“ – der mehr einer Matte gleicht. Im Zauberkatalog Nr. 9 der Supreme Magic Company wird hier als Erfinder Joseph A. Karson angegeben.

Das Silkwonder

Dieses klassische Produktionsgerät begleitet viele Zauberkünstler schon seit Jahrzehnten wobei man es wohl heute meist nicht mehr vorführt. Umso erstaunter war ich, als ich meine Recherche zu diesem Kunststück begann, dass es nur sehr wenige Informationen zu diesem Kunststück gab. Zumindest musste ich schon etwas tiefer in den unterschiedlichsten Quellen suchen und die Quellen musste ich auch erst einmal finden. Das Silkwonder-Kästchen wird im anglo-amerikanischen Raum auch „Silk Wonder Box“, „Demon (Silk) Wonder Box“, „Gizmo Box“ oder einfach nur „Wonder Box“ genannt. Mit diesem Zauberapparat, meist aus Metall, kann man Seidentücher erscheinen lassen. Zu diesem Zweck werden die Seitenwände heruntergeklappt um das Kästchen leer vor zu zeigen, die Wände werden wieder hochgeklappt, oben wird der Deckel geöffnet und die Seitentuchproduktion beginnt. Vermehrt wurde dieser Apparat in der jüngeren Vergangenheit auch aus Holz gefertigt. Meinen ersten Versuch der Recherche startete ich mit einem Zauberkatalog von Janós Bartl (13. April 1878 – 27. September 1958), denn wer es erfunden hatte, wusste ich schon. In der Edition Olms wurde 1983 ein Preisverzeichnis für „Bartl’s Akademie für moderne magische Kunst“ in der Reihe „Bibliotheca Magica“, Band Nr. 7, nachgedruckt – Herausgegeben von R. Breitenmoser, D. Burghardo und Wilhelm Widenmann. Das Original stammte aus der Zeit um 1910-1913. Die im Buch vermerkte Jahreszahl von 1920 stimmte wohl nicht.

Doch leider fand ich in diesem Werk nichts. Das lag unter anderem daran, dass in dem Katalog die Kunststücke nummeriert waren. Das Kunststück musste also erst später angeboten worden sein, denn die Nummerierung im Katalog ging nur bis zur Nummer 4125, das Silkwonder-Kunststück wurde mit der Nummer 4688 unter dem Namen „Silkwonder Superb“ angeboten. Bei dieser Version ließ sich nur die Vorder- und Rückwand herunterklappen. Später brachte Bartl dann die erweiterte Version „Silkwonder Perfect“ unter der Nummer 4775 heraus. Bei dieser Version konnte man alle vier Wände herunterklappen. Es ist immer schwer, ein Gerät aus dieser Zeit zu beschreiben, dass man nicht im Original vor sich hat. Deshalb kann ich nur vermuten, dass der Behälter für die Tücher zuerst mit einer der Wände fest verbunden war. Bei einem neueren Modell ist der Tuchbehälter mit einer Wand verbunden, kann sich aber nach der Produktion unter Deckung eines produzierten Tuches abziehen lassen. Janós Bartl stellte seine Erfindungen und Verbesserungen von Kunststücken unter Gebrauchsmusterschutz. Nachdem der Schutz erloschen war, kopierten die unterschiedlichsten Zauberhändler das „Silk Wonder“.

Das Auktionshaus Potter & Potter hat einen Katalog mit dem Namen „Selections from Ken Klosterman’s – Salon de Magie“ herausgebracht. In diesem Katalog findet man unter der Nummer 157 das Kunststück „Uncanny Silk Casket“ der Firma „Sherms“, Robert Sherman (15. Juni 1892 – 28. März 1969), aus Bridgeport Connecticut aus dem Jahr um ca. 1940. Das dort gezeigte Bild zeigt eine schwarze Verpackung aus Karton mit dem Aufdruck „Uncanny Silk Casket – with an extra load“, das Silkwonder- ähnliche Gerät und einen extra Tubus (mit einem „S“ gestanzt), für eine zusätzliche Lademöglichkeit. Im Katalog wird vermerkt, dass es sich um eine der vielen unerlaubten Versionen der „Demon Wonder Box“ handelt, die von der Firma Lewis Davenport & Co. in London verkauft wurde. Schon früh hatte Janós Bartl mit der Firma Davenport Geschäftsbeziehungen aufgenommen. Im gleichen Katalog findet sich unter der Nummer 223 eine Beschreibung der „Pixi Box“ der Owen Brothers in Los Angeles aus dem Jahr 1959 mit der gleichen Funktionsweise, wie die Demon Wonder Box. Im Thayer Katalog Nr. 8 aus dem Jahr 1936 wird unter der Nummer 867 die „Demon Wonder Box“ angeboten, im Katalog direkt darunter abgebildet unter der Nummer 867a die „New Demon Wonder Box“ von Walter Baker (1887 – 30. Juni 1960). Hier kann man ein großes sechsfarbiges Seidentuch mit einem Drachenmotiv als Klimax erscheinen lassen. Max Andrews (1918-1988), Besitzer der Firma Vampire Magic, verkaufte das Kunststück unter dem Namen „Silver Snuff Box“, zu finden in seinem „Vampire Magic Catalogue“ aus dem Jahr 1954. Natürlich findet man auch Werbeanzeigen zu diesem Kunststück in diversen Zauberzeitschriften. So in der Sphinx vom Juli 1934 (Max Holden’s Magic Shop und Martinka), in der Genii vom Januar 1937 (Floyd Thayer).

Die Lota Bowl

Die Beschreibungen zu diesem Trickgerät werden in vielen Zauberkatalogen oft mit einem sogenannten „Running Gag“ in Verbindung gebracht, einem immer wiederkehrenden Effekt. Es handelt sich um eine Art Vase aus Metall, mit der man immer wieder Wasser produzieren kann, obwohl sie vorher umgedreht und somit leer vorgezeigt wurde. Die Lota Bowl wird in verschiedenen Händlerkatalogen auch als Hindoo Lota, Hindu Lota oder Hindu Water Lota bezeichnet. Das Trickgerät kommt wohl aus dem indischen Raum. Es wurde u. a. im Jahr 1875 in Bombay dem späteren englischen König Edward II. vorgeführt. P. C. Sorcar hat dieses Gerät in seinen Zaubershows neu belebt.

Trickgeräte im Internet

Natürlich schaut man sich dann auch in diversen Zaubershops im Internet um. Dort fand ich eine sehr schöne Tücher-Färberoutine bei Practical Magic von Arnold Crowther, „Mixing the Colours“ mit einem Farbeimer (Trickgerät). Tücher färben sich und zum Schluss wird ein Rainbow-Seidenstreamer produziert. Im Shop wurde auch das Kunststück „Mirror Tube“ vorgestellt. Hier handelt es sich um einen ca. 30 cm hohen Tubus mit einem Durchmesser von ca. 8 cm. Mehrere Tücher werden hineingestopft und kommen als Tücherkette wieder heraus. Ich vermute, dass hier das alte Prinzip des „Spiegel Glases“ zum Einsatz kommt. Ein weiteres Kunststück ist mir im Internet aufgefallen. Die „Triangular-Production-Box“, ein dreieckiges Rahmengebilde was auseinander gezogen und somit leer gezeigt wird. Die Idee zu diesem Gerät stammt im Original von Harold G. Beaumont (ca. 1900 – 29. Dezember 1959), mit seiner Erlaubnis hat es Ian Adair unter dem Namen „Three Folda“ in seinem Manuskript „Lecture-Demonstration“ aus dem Jahr 1968 beschrieben. Das Geheimnis liegt in einem vierten Rahmen, der aber immer verborgen bleibt. Im gleichen Manuskript wird auch das Kunststück „Arabian Mat“ beschrieben, eine Art Bastmatte aus der man Tücher produzieren kann.

Es gibt so viele schöne Produktionsgeräte in der Zauberkunst, dass man sie gar nicht alle aufzählen kann. Viele Grundideen von Apparaten wurden über die Jahre von anderen Künstlern überarbeitet und verbessert. Schauen Sie doch einmal in Ihrem Zauberfundus nach. Vielleicht kommt ja der ein oder andere Apparat wieder zum Einsatz.

Quellen für diesen Artikel: Bart Whaley: Encyclopedic Dictionary of Magic, Harold Rice: Encyclopedia of Silk Magic, Glenn Gravatt: Thayer Quality Magic in 4 Bänden, Die Website – Conjuringcredits.com, Die Website – Zauberpedia.de