Der Würfelkasten

Der Würfelkasten

Split Die Box – Foto: Georg Walter

Wenn es um das Wandern und den Platztausch eines Würfels geht, dann ist DER Vertreter dieser Effektfolge schlechthin sicherlich der klassische Würfelkasten. Im englischen Sprachraum bezeichnet man den Würfelkasten auch als „Sucker Die Box“ oder „Sliding Die Box“. „Sucker“ steht hier für „Aufsitzer-Kunststück“. Zu beachten ist, dass es früher eine 2-Türen Variante gegeben hat, die, laut Bart Whaley’s „Encyclopedic Dictionary of Magic“, zum ersten Mal im Jahr 1854 in dem Buch „Ponsin on Conjuring“ von Jean-Nicolas Ponsin (1801-1863) und S. H. Sharpe unter dem Namen „A Trick with a big Die“ erwähnt und beschrieben wurde. Alexander Davis, ein englischer Zauberkünstler, hat dann die 4-Türen Variante erfunden und 1886 vorgestellt. Der Zauberhändler Otto Maurer (28. Oktober 1846 – 15. Mai 1900) bekam die Erlaubnis von Davis, dieses Kunststück zu verkaufen. Er vertrieb es ab 1887 unter dem Namen „Most Wonderful Dice Trick“. Die Grundzüge zur Entstehung dieses Kunststücks findet man in einer Vorführung von John Henry Anderson (16. Juli 1814 – 3. Februar 1874), dem „Wizard of the North“. Im Jahr 1841 zeigte er einige Becherspiel-Sequenzen mit großen Würfeln und fünf ausgeliehenen Hüten. Hier kamen Shells zum Einsatz. Die Kombination dieser Sequenz mit dem Kunststück „Changing Caddy“ aus Professor Louis Hoffmanns (23. Juli 1839 – 23. Dezember 1919) Buch „Modern Magic“ aus dem Jahr 1876, Seite 348, führte zu dem Kunststück, welches wir heute kennen. Dies kann man in dem Zauberperiodikum „Linking Ring“, Jahrgang 77, Heft Nr. 4 vom April 1997 auf Seite 74 nachlesen.

Der Zauberkünstler „Carlton“, Arthur Philps (1881 – 27. Juni 1942), gilt als Erfinder der heute üblichen Standard-Routine. Er veröffentlichte diese im Jahr 1907 unter dem Namen “The Mysterious Cabinet and Travelling Die Illusion”, nachzulesen in Ellis Stanyon’s Magic-Zauberperiodikum, Jahrgang Nr. 7, Nr. 11 aus dem Jahr 1907. Eine Karikatur von „Carlton“ findet man auch in Will Goldstons „Magic Annual“ Ausgabe 1911-1912. Die Routine zum klassischen „Aufsitzer-Kunststück“ stammt aber von Paul Scheldon (Paul Friedrich Johannes Stallbohm, geboren am 7. Januar 1880 in Rostock und gestorben am 27. Februar 1942 in Berlin). Alois Kassner (28. August 1887 – 23. März 1970) ließ einen Zusatz für den Würfelkasten patentieren (Patent 340271), es handelt sich um die Möglichkeit auch die Schmalseiten des Kastens nach unten zu klappen. Dies kann man in der „Magischen Welt“, Heft Nr. 2 aus dem Jahr 1997 in einem Beitrag von Ully Loup nachlesen.

Es gibt sogar eine Variante, bei der bis zu sechs Würfel in den Kammern erscheinen. Dazu habe ich in der Magischen Welt, Heft Nr. 1 aus dem Jahr 2000 einen Hinweis von Lothar Vogt-BERUZA gefunden und ich darf vermuten, dass sich dieser Hinweis auf dieses Kunststück bezieht – der Preis soll über DM 2.000,- gewesen sein – einfach nur verrückt. Im Heft Nr. 2 der Magischen Welt aus dem gleichen Jahr kann man dann weiteres über den Würfelkasten erfahren. Und wie aufs Stichwort finde ich dann im Heft Nr. 1 der MW aus dem Jahr 2002 eine Second-Hand Anzeige in der dieser 6-fache Würfelkasten für € 999,- angeboten wird. Schön ist auch, dass man dort nachlesen kann, dass die Routine zu diesem Kunststück durch Helge Thun bekannt gemacht wurde. Heute gibt es verschiedene Varianten des Würfelkastens, aktuell eine, bei der die beiden Würfelkammern von einander getrennt werden können. Das ist sehr interessant, bieten sich hier doch weitere Möglichkeiten bei der Vorführung an. Eine Abwandlung der 4-Türen Variante (2 Türen vorne, 2 Türen hinten) besteht darin, dass 2 Türen oben anstatt hinten angebracht sind. Dann gibt es Ausführungen mit verschieden farbigen Würfeln. Der bekannte US-Amerikanische Zauberhändler Floyd Gerald Thayer (18. Juli 1877 – 29. Juli 1959) erfand im Jahr 1912 die „Doppel-Tür“ – Variante des Würfelkastens, baute und verkaufte dann auch viele dieser Kunststücke. Er kreierte Variationen des Tricks mit Bällen, Münzen, Weckern und sogar mit Zigaretten-Packungen. Eine Variante nannte er „Thayer Break-Apart Die Box“. Schon damals wurden die beiden Würfelkasten-Hälften getrennt voneinander vorgezeigt, ein Mechanismus simulierte das hin und her rutschen des Würfels.

Der Würfelkasten in der Literatur

Viele Zauberkünstler haben sich auch Gedanken über die Logik in der Routine mit einem Würfelkasten gemacht. So argumentiert Robert J. Gunther in der Mai-Ausgabe der Genii von 1966, dass ein „Würfel-Apparat“ mit zwei Kammern zu Beginn einer Routine auch zwei Würfel enthalten sollte. Der Artikel beschreibt den Effekt und seine Methode. Er zeigt den Würfelkasten vor, in jedem Fach steckt ein Würfel. Er nimmt einen heraus und legt ihn in einen Hut mit der Behauptung, dass der Würfel im Hut in den Apparat zurück wandern wird. Jetzt beginnt das klassische „Hin und Her“ mit dem Würfelkasten und zum Schluss befinden sich zwei Würfel im Hut – der Kasten ist leer. In der Literatur findet man jede Menge Informationen über den Würfelkasten. So gibt es eine Kolumne in der Fachzeitschrift „The Linking Ring“ mit dem Namen „Our Magical Heritage“ von Eugene E. Gloye. Informationen zum Würfelkasten findet man im 62. Jahrgang, Heft Nr. 9, im 71. Jahrgang, Heft Nr. 2 und im 74. Jahrgang, Heft Nr. 6.

Weitere Quellen findet man:

  • In der „Methodischen Reihe der Zauberkunst“, 9. Jahrgang (1963) , Nr. 6 von Rolf Becker.
  • In „Magische Phänomene für Varieté und Kabarett“ von Conradi Horster aus dem Jahr 1924 mit dem Titel „Perfekt“ – die große Würfelkastenillusion nach Scheldon“.
  • In „Der Zauberkünstler auf der Höhe der Kunst“ von Conradi Horster mit dem Titel „Die neue Würfelkasten-Illusion – Vorgeführt von Carl Hertz im Wintergarten.
  • In der Publikation „The Amateur Magician’s Handbook“ von Henry Hay aus dem Jahr 1974 mit dem Titel „Die Box, Sliding“.
  • In der Zauberzeitschrift „Zauberkunst“, Heft 4-5 aus dem Jahr 2003 von Reinhard Müller.
  • In der Zauberzeitschrift „Zauberkunst“, 24. Jahrgang aus dem Jahr 1978 von Dr. G. Portzky mit dem Titel „El Kubo arriva“.
  • In der Zauberzeitschrift „Zauberkunst“, Rubrik „Tips und Tricks“, 27. Jahrgang, Heft Nr. 3 aus dem Jahr 1981 von Jochen Zmeck.
  • In der MAGIE, 61. Jahrgang, Heft Nr. 5 aus dem Jahr 1981 von Siegfried Pützer unter dem Titel “ Zauberwürfel und Würfelkasten“.
  • In „Heitere Zauberkunst, Studio V – Magische Evergreens“ aus dem Jahr 1973 von Erich Tauer unter dem Titel „Die Illusion um den Würfelkasten.
  • Im „Linking Ring“, Jahrgang 84, Mai Heft aus dem Jahr 2004 von Eugene Poinc mit dem Titel „Not Letting The Die Box Die“.