Silkwonder

Das Silkwonder

Silkwonder – Foto: Georg Walter

Dieses klassische Produktionsgerät begleitet viele Zauberkünstler schon seit Jahrzehnten wobei man es wohl heute meist nicht mehr vorführt. Umso erstaunter war ich, als ich meine Recherche zu diesem Kunststück begann, dass es nur sehr wenige Informationen zu diesem Kunststück gab. Zumindest musste ich schon etwas tiefer in den unterschiedlichsten Quellen suchen und die Quellen musste ich auch erst einmal finden. Das Silkwonder-Kästchen wird im anglo-amerikanischen Raum auch „Silk Wonder Box“, „Demon (Silk) Wonder Box“, „Gizmo Box“ oder einfach nur „Wonder Box“ genannt. Mit diesem Zauberapparat, meist aus Metall, kann man Seidentücher erscheinen lassen. Zu diesem Zweck werden die Seitenwände heruntergeklappt um das Kästchen leer vor zu zeigen, die Wände werden wieder hochgeklappt, oben wird der Deckel geöffnet und die Seitentuchproduktion beginnt. Vermehrt wurde dieser Apparat in der jüngeren Vergangenheit auch aus Holz gefertigt. Meinen ersten Versuch der Recherche startete ich mit einem Zauberkatalog von Janós Bartl (13. April 1878 – 27. September 1958), denn wer es erfunden hatte, wusste ich schon. In der Edition Olms wurde 1983 ein Preisverzeichnis für „Bartl’s Akademie für moderne magische Kunst“ in der Reihe „Bibliotheca Magica“, Band Nr. 7, nachgedruckt – Herausgegeben von R. Breitenmoser, D. Burghardo und Wilhelm Widenmann. Das Original stammte aus der Zeit um 1910-1913. Die im Buch vermerkte Jahreszahl von 1920 stimmte wohl nicht.

Doch leider fand ich in diesem Werk nichts. Das lag unter anderem daran, dass in dem Katalog die Kunststücke nummeriert waren. Das Kunststück musste also erst später angeboten worden sein, denn die Nummerierung im Katalog ging nur bis zur Nummer 4125, das Silkwonder-Kunststück wurde mit der Nummer 4688 unter dem Namen „Silkwonder Superb“ angeboten. Bei dieser Version ließ sich nur die Vorder- und Rückwand herunterklappen. Später brachte Bartl dann die erweiterte Version „Silkwonder Perfect“ unter der Nummer 4775 heraus. Bei dieser Version konnte man alle vier Wände herunterklappen. Es ist immer schwer, ein Gerät aus dieser Zeit zu beschreiben, dass man nicht im Original vor sich hat. Deshalb kann ich nur vermuten, dass der Behälter für die Tücher zuerst mit einer der Wände fest verbunden war. Bei einem neueren Modell ist der Tuchbehälter mit einer Wand verbunden, kann sich aber nach der Produktion unter Deckung eines produzierten Tuches abziehen lassen. Janós Bartl stellte seine Erfindungen und Verbesserungen von Kunststücken unter Gebrauchsmusterschutz. Nachdem der Schutz erloschen war, kopierten die unterschiedlichsten Zauberhändler das „Silk Wonder“.

Das Auktionshaus Potter & Potter hat einen Katalog mit dem Namen „Selections from Ken Klosterman’s – Salon de Magie“ herausgebracht. In diesem Katalog findet man unter der Nummer 157 das Kunststück „Uncanny Silk Casket“ der Firma „Sherms“, Robert Sherman (15. Juni 1892 – 28. März 1969), aus Bridgeport Connecticut aus dem Jahr um ca. 1940. Das dort gezeigte Bild zeigt eine schwarze Verpackung aus Karton mit dem Aufdruck „Uncanny Silk Casket – with an extra load“, das Silkwonder- ähnliche Gerät und einen extra Tubus (mit einem „S“ gestanzt), für eine zusätzliche Lademöglichkeit. Im Katalog wird vermerkt, dass es sich um eine der vielen unerlaubten Versionen der „Demon Wonder Box“ handelt, die von der Firma Lewis Davenport & Co. in London verkauft wurde. Schon früh hatte Janós Bartl mit der Firma Davenport Geschäftsbeziehungen aufgenommen. Im gleichen Katalog findet sich unter der Nummer 223 eine Beschreibung der „Pixi Box“ der Owen Brothers in Los Angeles aus dem Jahr 1959 mit der gleichen Funktionsweise, wie die Demon Wonder Box. Im Thayer Katalog Nr. 8 aus dem Jahr 1936 wird unter der Nummer 867 die „Demon Wonder Box“ angeboten, im Katalog direkt darunter abgebildet unter der Nummer 867a die „New Demon Wonder Box“ von Walter Baker (1887 – 30. Juni 1960). Hier kann man ein großes sechsfarbiges Seidentuch mit einem Drachenmotiv als Klimax erscheinen lassen. Max Andrews (1918-1988), Besitzer der Firma Vampire Magic, verkaufte das Kunststück unter dem Namen „Silver Snuff Box“, zu finden in seinem „Vampire Magic Catalogue“ aus dem Jahr 1954. Natürlich findet man auch Werbeanzeigen zu diesem Kunststück in diversen Zauberzeitschriften. So in der Sphinx vom Juli 1934 (Max Holden’s Magic Shop und Martinka), in der Genii vom Januar 1937 (Floyd Thayer).