Magiro

Im August 2017 erschien ein Buch über Magiro in der Zauberbutike und aus diesem Buch, bei dem ich mitgewirkt habe, darf ich Ihnen hier meine geschriebene Vita von Matthias Weißl präsentieren. Ich darf Ihnen dieses Buch bestens empfehlen.

Foto: Archiv Jens-Uwe Günzel

Ein Leben für die Zauberkunst

Magiro hat mit seinen Kunststücken und Zauberkreationen vielen Zauberkünstlern und somit auch dem Publikum zauberhafte Stunden bereitet, sich mit seinen vielen hundert Zauberideen in der Zauberszene unsterblich gemacht. Matthias Weißl, den viele nur unter seinem Namen „Magiro“ kannten, war mit Leidenschaft Zauberkünstler. Dieses Buch widme ich meinem Freund und seiner Familie. Geboren wurde Matthias Weißl am 12. November 1940 in Schalldorf, dem heutigen Emmering, inmitten des zweiten Weltkriegs, einer schlimmen und entbehrungsreichen Zeit. Zur Zauberei fand er im Jahr 1953, mit dreizehn Jahren, da bekam er in München ein Svengali-Spiel geschenkt, mit dem er anfänglich nicht so recht etwas anfangen konnte. Zu Weihnachten fand er dann auch den heiß ersehnten Zauberkasten unter dem Weihnachtsbaum nachdem er seine Mutter davon überzeugt hatte, ihn zu kaufen. Sein älterer Bruder schenkte ihm dann etwas später das Buch „Schule der Zaubertricks“ von Otto Stolina. Als Schreiner-Lehrling, der er nun war, hätte er sich all’ das nicht leisten können. Und so sparte er eine lange Zeit lang, um sich einen größeren Zauberkasten kaufen zu können. Dann entdeckte Matthias Weißl, wiederum durch einen Freund, eine Anzeige des Zaubergeschäftes Janos Bartl in Hamburg. Er bestellte sich sogleich den Firmenkatalog. Viele Kunststücke in diesem Katalog konnte er mit seinem Lehrlingsgeld nicht bezahlen. Nachdem er die Angebote zweier weiterer Zauberfirmen studiert hatte, kam er zu dem Schluss, dass es besser sei, sich die Zauberkunststücke selbst zu basteln. Zu dem Namen „Magiro“ ist er nach eigenen Angaben um das Jahr 1958 durch einen Freund gekommen. Der hatte ihm spontan den Namen vorgeschlagen und dabei ist es dann geblieben. Schon damals hatten beide viel mit der Zauberei zu tun, hauptsächlich wurden Kartenkunststücke einstudiert.

Magiro und „Werry“

Magiro hat mit der Unterstützung von Werner Geissler „Werry“ ab 1973 einige seiner Trickkreationen in der Zauberzeitschrift „Magischen Welt“ in der Rubrik „Magiro-Magie“ schriftlich festgehalten. Zwischen 1973 und 1979 wurden in den Heften der Jahrgänge 22 bis 28 insgesamt 32 Kunststücke beschrieben. Darüber hinaus wurden auch einige seiner Kunststücke über Werner Geissler vermarktet. Das bekannteste Kunststück war wohl „Auto Mental“ bei dem ein nur gedachtes ESP-Symbol erraten wird. Für die Produktion und die damit verbundenen Techniken zur Fertigung all’ dieser vielen Kunststücke musste sich Magiro jede Menge Fachwissen aneignen. Und so verwundert es nicht, dass Werner Geissler in einem Artikel der „Magischen Welt“, Heft Nr. 1 des Jahrgangs 22 aus dem Jahr 1973 bemerkte, dass aus Matthias Weißl sicherlich auch ein hervorragender Techniker und Konstrukteur geworden wäre. Er wurde einmal gefragt, wie er bei den unterschiedlichen Kunststücken auf die Tricktechniken gekommen sei. Er meinte daraufhin, dass es schon eine längere Zeit braucht bevor er die zündende Idee hat. Es hängt auch sehr davon ab, wie er sich zu einem Kunststück inspirieren lässt. Zuerst kommt der Effekt und dann das Abwägen der Methoden, denn es gibt manchmal mehrere Wege zum Ziel. Aber alles nutzt nichts, wenn sich das Kunststück dann später nicht realisieren lässt – und man muss auch immer das passende Material dazu haben.

Magiro und die „Zauberbutike“

Und dann begann Anfang der 1984er Jahre die Zusammenarbeit mit Eckhard Böttcher, der mit seiner Firma „Zauberbutike“ auf der magischen Bühne erschien. Magiro vermarktete von nun an seine Kunststücke meist über ihn. Wenn man sich über die vielen Jahre alleine die Kreationen anschaut, die über die Zauberbutike verkauft wurden, dann muss man einfach von einem magischen Vermächtnis sprechen. Die Kunststücke wurden in den Zauberbriefen, dem hauseigenen Mitteilungsblatt, mit Skizzen und schwarz/weiß Zeichnungen angeboten.

Magiro & US-Amerikanische Sammler

Da Magiro seine Kunststücke nur in kleinen Auflagen produziert hat, sind diese heute sehr begehrt. So gibt es z. B. in den USA eine treue Sammlergemeinde seiner Kreationen für die ein Teil der Kunststückbeschreibungen übersetzt wurden. Zu diesem Thema findet man dann auch eine Firma mit dem Namen „Weiss Cannon Siegfried Weiss e. K.“, ansässig in Uhingen, die einige Magiro-Kunststücke für den englischsprachigen Raum vertrieben hat. In einer ganzseitigen Anzeige in der Genii, Jahrgang 65, Heft Nr. 4 aus dem Jahr 2002 bewirbt diese Firma einige Magiro-Kunststücke. Näheres über die Art der Zusammenarbeit zwischen Magiro und dieser Firma lässt sich bisher leider nicht ermitteln. In der Genii finden sich weitere Anzeigen, so auch von der Firma Hank Lee’s Magic Factory die einige Magiro-Kunststücke verkauft. Einer Werbeanzeige dieser Firma in der Fachzeitschrift „Linking Ring“ aus dem Jahr 2002 ist zu entnehmen, dass man eine limitierte Auflage von Kunststücken des Zauberhändlers Howard Schwarzman erworben hatte, darunter auch eine kleine Auflage von Magiro-Kunststücken. In der Anzeige wurde das Kunststück „Coin & Block Mystery“ für USD 58 und das Kunststück „Wand & Block Mystery“ für USD 58,50 angeboten. Hier ist es leider sehr schwer zu ermitteln, wie die Kunststücke von Magiro in die USA gelangten oder ob es Nachbauten waren. Howard Schwarzman war dafür bekannt, seltene Kunststücke zu importieren und zu vertreiben.

Quelle: Linking Ring, Vol. 82 Heft Nr. 6 aus dem Jahr 2002

 

Veranstaltungen

Magiro nahm über die Jahre hinweg auch an vielen Veranstaltungen teil, so zum Beispiel 1977 an „Hardy’s Hauskongress – Magic Exclusiv 77 unter dem Motto „Musik-Magie-Humor“. Vor über 150 Zuschauern fand eine sehr ansprechende Festvorstellung mit Künstlern wie Peki, Magiro, Teddy Reno, Larselli und Pavel im „Zauberstadl“ statt.

Quelle: Magie Heft Nr. 3 aus 1978

Beim 25. Treffen der Österreichischen Magier in Graz vom 5. – 8. Juni 1980 präsentierte Magiro seine Artikel auf der Händlermesse.

Quelle: Magie Heft Nr. 10 aus 1980

Im Jahr 1980 fand in Bonn Bad Godesberg in der Stadthalle der Kongress „Simsalabonn 80“ des Magischen Zirkels von Deutschland – Ortszirkel Bonn – statt. Hier wurde zum ersten mal das Markenzeichen des Ortszirkels geprägt – Simsalabonn. Auch Magiro war dort und von Wolfgang Sommer in seinem Bmatthiast über diesen Kongress wohl gelobt. Matthias Weißl präsentierte an seinem Verkaufsstand seine Original-Kunststücke, die er in mühevoller Arbeit in kleinen Stückzahlen angefertigt hatte. Gelobt wurden die ungewöhnlichen Tricktechniken, die sogar für Zauberkünstler nicht zu durchschauen waren. Ein Jahr später, 1981, stellte Magiro seine Kunststücke auf dem Kongress „München Magisch“ aus.

Quelle: Magie Heft Nr. 11 aus 1980 / Heft 10 aus 1981

1982 präsentierte er dann auch in der Hauszeitschrift Magie des Magischen Zirkels von Deutschland im Heft Nr. 5 sein erstes Kunststück mit dem Namen „Ein neuer Mentaleffekt“ bei dem Worte, die von Zuschauern auf Zettel geschrieben werden, erraten werden. Weitere Artikel, wie vorher angekündigt finden sich dann aber nicht mehr.

 Quelle: Magie Heft Nr. 5 aus 1982

Matthias Weißl arbeitete als Schreiner und Kranführer. Er musste die Berufe aber später gesundheitsbedingt aufgeben. 20 Schritte von seiner Wohnung entfernt stand ein kleines Haus mit zwei Räumen. In einem Raum hat er seine Kunststücke hergestellt. Der andere Raum diente ihm hauptsächlich als Ausstellungs- und Besucherraum. Er verstarb am 24. August 2015 in Ebersberg. Er hinterlässt seine Frau Burgi und die Töchter Carina und Sabrina.

Die Magische Welt

Mit abwechslungsreichen Artikeln, auch zur Zauberhistorie, ist die Zauberzeitschrift „Magische Welt“ von Wittus Witt eine gute Quelle um sein Zauberwissen zu erweitern!

Ein Besuch lohnt sich

Die Website von Andy Martin kann ich jedem Zauberapparate-Freund nur wärmstens empfehlen. Auf Martinsmagic.com finden Sie viele schöne und moderne Zauberapparate!