Literatur zur Zauberkunst-Geschichte

Wir haben gelernt, dass das älteste Buch über die Zauberkunst den Titel „The Discoverie of Witchcraft“ trägt und im Jahr 1584 von dem Engländer Reginald Scot (ca.1538 – 1599) geschrieben wurde. Es gilt aber mehr als Aufklärungsbuch, da der Autor ein Gegner der Hexenverfolgung war. Er beschrieb in dem Buch Kunststücke mit Münzen, Karten und Seilen um aufzuzeigen, dass alles mit rechten Dingen zuging und kein Hexenwerk war. Interessant ist, dass nur sehr wenige Exemplare dieses Buches gerettet werden konnten, weil der englische König James I. alle Ausgaben verbrennen ließ.

Auf der Suche nach dem ältesten Zauberbuch der Welt wird man im Internet eine andere Quelle finden. So berichtet die Berliner Zeitung vom 11. April 2007, dass man das „Älteste Zauber-Buch der Welt“ gefunden hat. In diesem Artikel wird darüber berichtet, dass dieses Buch 500 Jahre lang im Archiv der Universität von Bologna in Italien gelegen hat. Geschrieben hat es der Franziskanermönch Luca Paciola, der beste Freund und Lehrer von Leonardo da Vinci. Das Buch mit dem Titel „De viribus quantitatis“ – Über die Kraft der Zahlen – hat er zwischen 1496 und 1508 geschrieben. Es handelt sich bei diesem Werk um die ersten Niederschriften für Kartentricks, Zahlenrätsel, Feuerschlucken und das Jonglieren. Laut dem Bericht dauerte die Übersetzung ins Englische acht Jahre. Eine Kopie liegt im „Conjuring Arts Research Center“ in New York. Einer weiteren Internetquelle entnehme ich, dass der Gründer, William Kalush, das Projekt finanziert hat und mehrere Übersetzer beteiligt waren.

In diesem Zusammenhang findet man in der Literatur des 16. Jahrhunderts ein Buch über Kartenkunststücke, herausgegeben im Jahr 1593 von Horacio Galasso. Der Titel „Giochi di carte bellissimi de regola e di memoria“.

Zu erwähnen ist auch das Buch „Hocus Pocus Junior“, es erschien im Jahr 1634. Der Autor war bis ins Jahr 2002 nicht bekannt. Am 25. Mai 2002 erklärte Philip Butterworth auf dem 27. Collector’s Day im Londoner „Magic Circle“ in einem Vortrag, dass der Autor vermutlich ein William Vincent war. Dieses Buch gibt es auch in einer deutschen Übersetzung aus dem Insel Verlag mit dem Namen „Taschenspieler-Kunst“.

Die Leidenschaft des französischen Rechtsanwalts und Amateurzauberers Henri Decremps (15. April 1746 – 1826) galt der Physik und Musik. Sein Werk „La magie blanche dévoilée“ aus dem Jahr 1784 gilt als Klassiker. Thomas Denton übersetzte das Werk im Jahr 1785 mit dem Titel „The Conjurer Unmasked“. Dieses Buch ist im Internet frei erhältlich.

Das Buch „Lives of the Conjurers“ des englischen Autors und Journalist Thomas Frost (16. Dezember 1821 – 16. Juli 1908) erschien im Jahr 1876 und beschäftigt sich ausführlich mit der Geschichte der Zauberkunst. So findet man in diesem Werk auch Informationen zu dem englischen Mönch Roger Bacon (ca.1214 – Juni 1292). Frost bemerkt in seinem Werk, dass Bacon gemeinsam mit seinem Mitbruder Bungay einen orakelnden Kopf aus Messing konstruiert haben soll. Auch dieses Buch findet man frei erhältlich im Internet.

Der englische Rechtsanwalt und Zauberkünstler Sidney W. Clarke (19. Juni 1864 – 12. Juli 1940) veröffentlichte zwischen 1924 und 1928 eine Serie über die Geschichte der Zauberkunst in dem Zauberperiodikum „The Magic Wand“ unter dem Namen „The Annals of Conjuring“. Es war bis dato die umfangreichste Arbeit zur Historie der Zauberkunst. Erst sehr viel später erschien diese Serie in Buchform. In den Quellen zu diesem Artikel finden Sie auch eine Bezugsquelle der digitalen Fassung.

Das Conjuring Arts Research Center bringt seit dem Jahr 2005 das „Gibecière Journal“ heraus. Hier handelt es sich um eine Serie hochwertiger Bücher, in denen historische Berichte und Werke nachgedruckt sowie ausgearbeitete Texte zu den unterschiedlichsten Themen zusammengefasst werden. Der Herausgeber ist William Kalush, die Redaktion liegt bei Stephen Minch. „Gibecière“ ist Französisch und bedeutet „Gaukeltasche“.

Viele weitere Publikationen sind hier zu nennen, so u. a. eine Serie zur Geschichte der Zauberkunst, die der englische Naturwissenschaftler und Zauberkünstler Edwin A. Dawes in dem Periodikum „The Magic Circular“ veröffentlicht. Peter Schuster aus Berlin veröffentlichte ab 2001 einige interessante Artikel in der „Magischen Welt“, Maldino (Friedrich Mahlo, 9. September 1911 – 7. Mai 2003) hat einige Seminarschriften zum Thema herausgebracht. Sehr zu empfehlen sind auch die beiden Bücher von Bart Whaley, „Encyclopedic Dictionary of Magic“ und „Who is Who in Magic“. Zudem wurden viele Bücher zu einem speziellen Künstler veröffentlicht, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann.

Im deutschsprachigen Raum gilt die Serie „Geschichte der Zauberkunst“ des promovierten Rechtsanwalts und Zauberhistorikers Kurt Volkmann (27. September 1897 – 8. Mai 1958), die er zwischen 1939 und 1958 in 104 Folgen in der MAGIE veröffentlichte, als erste umfangreiche Aufbereitung zu diesem Thema. Derzeit wird diese Serie auf der Internetseite des MZvD frei verfügbar aufbereitet. Ich finde es schade, dass bis heute, nach meinem Kenntnisstand, dieses Werk nicht komplett in gedruckter Form vorliegt. Ich darf vermuten, dass es da rechtliche Probleme gab. Ich habe das gesamte Werk gelesen und ich darf sagen, dass es in deutscher Sprache kein spannenderes Werk gibt.

In dem Buch „Die zersägte Jungfrau“ von Aloys Christof Wilsmann (18. April 1899 – 20. April 1966) beschreibt der Autor in 13 Kapiteln das Wesen der Zauberkunst innerhalb der darstellenden Künste, im 14. Kapitel findet man eine Auflistung von 300 Zauberbüchern ab dem 16. Jahrhundert.

Zusätzlich seien dem Leser zum Thema auch die Werke von Carl Graf von Klinkowstroem, Alexander Adrion, Dietmar und Gisela Winkler sowie Milbourne Christopher empfohlen. Zudem bereitet Jens-Uwe Günzel aus Annaberg-Buchholz für die MAGIE monatlich Informationen zu bestimmten Zauberkünstlern und anderen historischen Themen auf.

Durch Zufall bin ich im Internet auf einen Artikel („Discovery of Witchcraft“) von Peter Rawert aufmerksam geworden, den man auf der Webseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus dem Jahr 2003 frei lesen kann. Hier findet man einige Namen von Zauberkünstlern, Autoren und deren Arbeiten, die eben nicht in jedem Zauberbuch zu finden sind. So wird in diesem Artikel u. a. über den englischen Amateurzauberer Jack Potter (1903 – 10. Oktober 1978) berichtet, der zwischen 1967 und 1975 einen „Master-Index to Magic in Print“ in 14 Bänden herausbrachte – eine Zusammenstellung von Fundstellen aller methodischen Kunststücke, die er der englischen Literatur bis ins späte 16. Jahrhundert entnehmen konnte. Das Werk bleibt natürlich unvollständig. Im Artikel werden weitere Werke vorgestellt. So das Buch „Natuurlyk Toverboek“ von Simon Witgeest aus dem Jahr 1682; dieses Werk wurde auch ins Deutsche übersetzt. Literatur von Aloys Wilsmann, Manfred Zollinger und das Werk „Zaubermechanik“ von Johann Conrad Gütle (25. März 1747 – 18. Oktober 1827) aus dem Jahr 1794 – eine Anleitung zum Bau von Zaubergeräten – sind dem interessierten Leser zu empfehlen. Auch dieses Werk findet man frei im Internet. Ein tolles Buch.

Im deutschsprachigen Raum haben sich die Autoren Carl Willmann (17. August 1848 – 16. Februar 1934) und Friedrich Wilhelm Conrad Horster (15. Januar 1870 – 30. August 1944) nicht nur einen Namen gemacht, vielmehr haben sie die deutsche Zauberliteratur qualitativ auf einen neuen Level gehoben. Deren Zauberperiodika und Bücher sollte man gelesen haben.

In vielen Publikationen wird die Geschichte zur Zauberkunst in Epochen unterteilt und diese Einteilung macht auch Sinn. Begonnen wird meist im Altertum, berichtet wird dann über das Geschehen im Mittelalter, im 16. und 17. Jahrhundert und schließlich im 18. und 19. Jahrhundert, sowie der Neuzeit. In meiner Serie möchte ich die Informationen der Quellen zu den einzelnen Epochen aufbereiten und in komprimierter Form wiedergeben. Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich davon überzeugt bin, dass Informationen in Zauberbüchern nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen wurden und werden. Allerdings steht die Zeit nicht still und so gelangen wir über die Jahre hinweg durch fleißige Zauberhistoriker zu immer neuen Erkenntnissen, die manche Geschichte in einem neuen Licht erscheinen lassen.